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Dramatische Szenen – ohne wär’s langweilig

 
Dramatische Szenen prägen herausragende Geschichten und deren Helden. Doch was macht eine gelungene Szene aus?
 
Spoiler-Hinweis: Dieser Artikel enthält Beispiele aus dem Roman „Harry Potter und der Orden des Phönix“ (J.K. Rowling) zur Veranschaulichung.
 

Definition Drama

 
Zunächst möchte ich die Definition von „Drama“ beleuchten. Es wird als „Schauspiel, in dem ein tragischer Konflikt dargestellt wird“ bezeichnet. Häufig verwenden wir das Wort im Alltag für negative Situationen, die uns im besten Fall nerven, im schlimmsten den Boden unter den Füßen wegreißen. In großartigen Geschichten ist es erwünscht, dass ein Drama den Figuren und somit den Lesenden tief fallen lässt. Sollte ein emotionales Drama hingegen „nur“ die Nerven strapazieren, hat man als Schreibende/r etwas falsch gemacht.
 
Bei Drama gilt wie beim Kochen: Gewürze mögen weise gewählt sein und die Menge ist entscheidend. Paprika scharf ist nicht gleich Paprika süß und Drama nicht gleich Drama.
 
Wenn zwei Mädchen sich um eine Haarbürste streiten, beide behaupten, sie gehöre ihnen und die Verliererin am Ende heult, rollen viele mit den Augen. Das Drama um die Bürste scheint überzogen.
Doch was, wenn sich herausstellt, dass die Verliererin die Bürste von ihrer verstorbenen Mutter geschenkt bekam, die ihr damit die Haare kämmte? Der Ton ändert sich. Das was vorhin wie Übertreibung aussah löst Schock aus und das schafft Tiefe.
 
Zudem gilt: die Lesenden sollten langsam an den Höhepunkt herangeführt werden und im besten Fall nur eine dumpfe Vorahnung haben. Erwartungen lassen Emotionen reifen wie guter Wein. Dramen sollten sich allmählich entfalten wie ein chinesischer Fächer, dessen ganzes Bild erst zu sehen ist, wenn er vollständig geöffnet ist.
 

Beispiel

Beispiel: In „Harry Potter und der Orden des Phönix“ träumt Harry, dass Voldemort seinen Patenonkel Sirius gefangen hält. Da Harry zuvor einen ähnlichen Traum hatte, in dem Rons Vater tödlich verletzt wurde und er nur aufgrund Harrys Vision rechtzeitig gerettet werden konnte, hinterfragen weder Harry noch die Lesenden den Wahrheitsgehalt des Traumes. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Harry aufbricht, um Sirius zu retten, denn die Lesenden fiebern mit, ob er es denn schafft. Doch dann kommt der Twist, das Unerwartete: am Ort des Geschehens stellt sich heraus, dass es eine Falle war und Harry seine Freunde umsonst in Lebensgefahr gebracht hat. Doch das ist nicht alles! Denn da taucht Sirius auf um wiederum Harry zu retten und dabei geschieht das Unvermeidliche: Sirius stirbt vor Harrys Augen. Der Spannungsbogen bildet einen Kreis. Das Drama ist perfekt.
 

Gelungene dramatische Szene

 
Dieses Drama „entfächert“ sich über mehrere Kapitel hinweg, es erscheint nicht plötzlich und so ermöglicht die Autorin den Lesenden selbst Vermutungen anzustellen. Kann es noch schlimmer  werden? JA, es KANN! An diesem Punkt sind die Lesenden überwältigt. Das macht ein gelungenes Drama aus.
 

Weiteres Beispiel für dramatische Szene

 
Ein weiteres Beispiel: Ein verirrter Held findet nach Stunden der Verzweiflung aus dem bösen Irrwald, nur um festzustellen, dass draußen ein Monster auf ihn wartet und der Wald sein Beschützer war.
Wenn der Verirrte bereits auf Seite zwei der Geschichte aus dem Wald findet, hatten die Lesenden weder Zeit, eine emotionale Bindung zum Helden noch zum „bösen“ Irrwald aufzubauen. Ebenso wenig konnten sie Erwartungen für den Ausgang der Geschichte erzeugen. Sie werden sofort „dem Monster zum Fraß vorgeworfen“ und erleben, wie der Held mit viel überschwänglichem Drama stirbt. Anstatt den Irrwald zu verfluchen und mit dem Held mitzufiebern, anstatt Angst aufzubauen und auf den Waldausgang zu hoffen. Und dann festzustellen, dass der Wald der Gute war und den Helden vor seinem Verderben bewahren wollte, weswegen es dann umso tragischer ist, dass das Monster gewinnt.
 

Wichtig für dramatische Szenen:

  • Tiefgründigkeit – Oberflächlichkeit strapaziert die Nerven
  • Allmähliche Entfaltung des Gesamtbildes – kein Hinklatschen von Ereignissen
  • Reifung bringt echte Emotionen – Überschüttung schreckt ab
Lass mir gern einen Kommentar da, was dramatische Szenen für dich noch benötigen!
 
PS:
Hier ist eine Leseprobe aus meinem Fantasy-Roman „Die Achte Sonne“. Eine lebensbedrohliche Sonne erschwert die Heldenreise zweier gegensätzlicher Helden, die von einer gefährlichen Roboterfrau bedroht werden.