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Emotionen schaffen Gänsehautmomente in Geschichten

 
 
Emotionen: Erst wenn Menschen einen Moment fühlen, speichert sich dieser in ihrem Gedächtnis ab. So ist es auch mit Geschichten.
 
Dabei wird immer von „Show, don’t tell“ gesprochen und ja, es ist wichtig, Gefühle von Figuren zu zeigen. ABER es gibt auch andere Möglichkeiten und die möchte ich euch (zusammen mit „Show“) auch aufführen.
 

Hier ein typischer „Show“-Text aus einem meiner früheren Projekte:

 
„Bevor wir nicht alles abgesucht haben, geben wir nicht auf!“, befahl Jon. „Worauf wartet ihr? Los!“
Seine Freunde kehrten ihm den Rücken zu, um die Anweisung zu befolgen. Nur Winzen bedachte ihn mit diesem seltsamen Blick von vorhin.
„Was glotzt du so?“, blaffte Jon. „Ich habe dich lange nicht mehr beleidigt. Fehlt dir das?“
„Das ist es nicht, was mir fehlt“, brachte Winzen erstickt hervor.
Jon stutzte und betrachtete den Alten. Der zerknitterte seine Robe zwischen den Fingern, seufzte schwer und rollte die Augen, die glänzten wie schwarze Murmeln. Für Jon war es, als würde er in seine eigene Seele schauen. In sein Inneres, wo sich alles um Maja drehte. Da traf ihn die Erkenntnis, dass er nicht der Einzige war, der sie liebte. So standen sie da und schauten sich an. Ahnend, dass sie das Gleiche fühlten. Wissend, dass das was ihnen am meisten bedeutete, vielleicht für immer verloren war…
 
Zuerst ist Jon wütend, weil er sich mit seinen Sorgen allein fühlt. Weshalb er sich durch Winzens bloße Blicke provoziert fühlt. Doch als er anhand der Mimik und Gestik des Alten begreift, dass es ihm ähnlich ergeht, verwandelt sich die Wut in Verständnis. Jon und die Lesenden dürfen gemeinsam entdecken, wie Winzen fühlt. Gleichzeitig wird damit das Tor zu Jons Innenleben geöffnet. Wir erfahren, wie es ihm geht.
 

Eine weitere Variante für emotionale Texte ist das Einsetzen von gefühlsgeladenen Dialogen.

 
Hier ein Beispiel:
 
„Es schmerzt. Dabei heißt es, Liebe sei etwas Gutes!“
„Ist sie auch.“
„Dann verstehe ich sie nicht!“
„Ich weiß… aber du bist nicht allein.“
 
 
Hier teilen sich zwei Figuren einen Moment. Es ist unbekannt, was geschehen ist, doch erzählen vier Sätze eine Geschichte. Generell verwende ich Dialoge gern, um versteckte Gefühle aufzuzeigen. Lesende dürfen also zwischen den Zeilen lesen und eigene Vermutungen anstellen, was dahinter stecken könnte. Enttäuschung? Trauer? Verbitterung? Wut?
Welches Gefühl auch immer, es sticht klar hervor, dass mit den Charakteren etwas los ist bzw. im Argen liegt, das es zu verarbeiten gilt.
 
 

Und es gibt noch eine Variante für mich, Gefühle auszulösen.
ANIME haben mich in der Kindheit geprägt.

 
Häufig gehen sie mit Emotionen „hausieren“, doch umso öfter machen sie es richtig. Viele von ihnen haben das Erzählen von gefühlsstarken Geschichten perfektioniert und eine besondere Stärke liegt bei der berühmten Stimme aus dem OFF oder auch der Mentoren-Figur, die etwas erzählt.
 
Als Beispiel ein Schnipsel aus einer meiner Fanfictions:
 
Dort unten standen diejenigen, die so viel Leid erfahren hatten. Doch man sah niemanden weinen, niemanden aufgeben. Sie waren bereit für die zu kämpfen, die sie liebten. Seite an Seite. Denn die Wahrheit ist, dass wir nie für uns selbst kämpfen. Diejenigen, die es tun, tun es einsam. Und schließlich sterben sie. Mit niemandem an ihrer Seite.
 
Was ich an dieser Art so interessant finde, ist, dass es sich eher um „Tell“ als „Show“ handelt, dennoch bringt der Text etwas herüber und löst etwas aus.
 

Ich fasse die Varianten zusammen, um Emotionen zu zeigen:

  • Figuren handeln/ reagieren auf andere Charaktere oder Ereignisse
  • gefühlsgeladene Dialoge
  • Erzählungen, Legenden, Geschichten einbauen
 

Des weiteren wichtig:

  • Nicht übertreiben: Überschwängliche Liebesbekundungen eines Casanovas entlocken ein entnervtes Stöhnen, kein wohliges Seufzen.
  • Auch nicht untertreiben: Nüchterne Erzählweisen, die an Amtsbriefe erinnern sind nur dann erlaubt, wenn tatsächlich ein Amtsbrief zitiert wird.
  • In der Kürze liegt die Würze: Seitenweise das Innenleben einer Figur zu schildern oder sie auf Ereignisse reagieren zu lassen, führen dazu, dass Lesende die Seiten überblättern.
  • Besser realistisch bleiben als Klischees brechen: Wenn die Protagonistin fröhlich tanzend auf den Tod ihres geliebten Hundes reagiert mag das interessant sein, gelingt aber nur mit guter Erklärung.
 
Wie können Emotionen noch durch Texte transportiert werden? Schreibt mir gern einen Kommentar!
Ich freue mich darauf, mich mit dir auszutauschen. Von Schreibender zu Schreibender, von Schriftstellerin zu Leserin.
 
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Leseprobe – Romanprojekt Die Achte Sonne