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Filmreif Bücher schreiben

Worauf kommt es an, dass der Stoff so prickelt, dass man das Buch am liebsten auch verfilmen möchte?

 
Romane, die unter die Haut gehen, haben für ebenso großartigen Filmstoff gesorgt.
 
Wer hat noch nicht gehofft, dass ein Roman sich so erfolgreich vermarktet, dass eines Nachmittags beim Kaffee das Smartphone bimmelt und eine Firma um die Rechte für die Verfilmung bittet? Auch wenn wir versuchen auf dem Teppich der verstaubten Tatsachen zu bleiben, haben wir wohl daran gedacht und das ist auch gut. Immerhin hat alles einmal mit einer Blase über dem Kopf begonnen, die stetig gewachsen ist, bis sie sich verwirklicht hat (oder zerplatzt ist, aber davon gehen wir jetzt nicht aus).
 
Selbstverständlich sollte jede Geschichte so geschrieben sein, dass Lesende sich alles lebhaft vorstellen können. Das bedeutet nicht, dass ein Roman gleich für die Kamera geeignet ist. Viele Romane sind geprägt durch die innere Stimme des Protagonisten und bieten keine oder kaum Dialoge (z.B.: „Die hellen Tage“ von Zsuzsa Bánk). Die Geschichte bzw. der Stil selbst spielt eine große Rolle. Bildgewaltige Fantasy lässt sich leichter verfilmen als eine Erzählung über eine Parfumherstellerin oder einen Konditor. Es sei denn, es gelingt, die Düfte zu „zeigen“, wie es bei „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“ der Fall war. Dasselbe gilt für die Anregung des Geschmackssinns per Visualität, wie es zum Beispiel beim Film „Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“ zutrifft.
 

Schreiben fürs Bild: Viel Visualität!

Wichtig sind Geräusche und Veranschaulichungen. Dialoge die stimmkräftig sind und Gesichtsausdrücke zeichnen. Festlich gedeckte Esstische im Kerzenschein, ploppende Weinkorken, Gläserklimpern. Das alles erzeugt Bilder, da es visuell oder akustisch geprägt ist. Dinge, die zu sehen und zu hören sind, sind leicht verfilmbar. Anders ist es bei Geruch, Geschmack und Tastsinn.
 

Filmreif schreiben: Die 5 Sinne – wie zeigen?

Das Hähnchen darf selbstverständlich im Roman einen „verführerischen Bratgeruch verströmen“, doch wenn ihr fürs Bild schreibt, müsst ihr diesen Sinneseindruck anders einfangen. Beschreibt die goldbraune Kruste, den aufsteigenden Dampf, den honigfarbenen Saft auf dem Tellerboden und die durchtränkten Brokkoliröschen ringsherum. Damit erschafft ihr ein Bild, einen Duft und einen Geschmack gleichzeitig.
Wenn es um den Tastsinn geht: Juckreiz ist nicht sichtbar – rote, geschundene Haut und das unaufhörliche Kratzen des betroffenen Charakters schon.
Das beste Beispiel: Leonard aus der Sitcom „The Big Bang Theory“, der eine Folge lang einen kreischend roten Pullover trägt, der Juckreiz auslöst. Allein durch die knallige Farbe des Kleidungsstücks wird das Auge so beleidigt, dass man sich am liebsten selbst kratzen möchte. Als Leonard den Pulli auszieht und seine Haut völlig gerötet ist, tut es gut, als er sich Eisbeutel auflegt.
 

Filmreif Gedanken und Gefühle zeigen – wie geht das?

Text Beispiel – schildernd:

„Mit starrer Miene saß er vorm Teller. Der Griff des Messers in seiner Hand fühlte sich so kalt an, wie der Blick mit dem seine Frau ihn bedachte. Die Schneide dagegen war stumpf, wie der Gesichtsausdruck des zusammensinkenden Kellners, blutüberströmt – nein, wie die Ecken seines Toasts! Schnell das Ketchup – nein! Allein der Gedanke an die Farbe ließ Übelkeit in ihm aufsteigen. Vermutlich sollte er wie jeden Morgen endlich die Krusten vom Toast entfernen, ehe seine Frau Verdacht schöpfte. Dabei stellte er sich mit dem Messer so ungeschickt an, dass er abrutschte und es quietschte.“
 
Dieser Text lässt sich in einem Roman gut unterbringen, da er die Sinne und Gedankengänge der Hauptfigur schildert. Anders sieht es aus, wenn ein Text verfilmt werden soll, da dort nur die Außensicht gezeigt wird. Daher muss auf andere Mittel zurückgegriffen werden, um einen Einblick ins Innenleben der Figur zu schaffen.
 
Text Beispiel bildhaft: 
 
„Mit starrer Miene saß er vorm Teller und setzte das schimmernde Messer an die Toastkruste. Seine Hand zitterte, daher griff er fahrig zum Ketchup, zog die Finger aber sofort zurück. Der Blick seiner Frau traf ihn. Ihre Mundwinkel zogen sich nach unten und ein leises Schnauben der Herablassung entkam ihr. Hektisch nahm er wieder das Messer, rutschte beim Schneiden ab und es quietschte laut.“
 
Beide Stile haben ihre eigene Sprache, transportieren aber dasselbe: etwas stimmt nicht.
 
Der schildernde erste Text schweift ins Innere der Figur ab. Es wird angedeutet, dass die Stimmungslage des Mannes etwas mit einem toten Kellner zu tun hat. Aufgrund seiner Stimmung könnte er sich die Umgangsweise seiner Frau daher nur einbilden.
 
Beim visuellen Text ahnen die Lesenden bzw. Zusehenden, dass etwas nicht stimmt, wissen aber nicht, WAS. Es könnte Streit mit der Frau gegeben haben oder generell nicht mehr so gut laufen. Der vermeintlich tote Kellner kann erst später eingebaut werden. Erst dann erfahren die Lesenden, dass das Verhalten der Hauptfigur nichts mit der Frau zu tun hatte.
 
Je nachdem, WIE ihr WAS rüberbringen möchtet, solltet ihr abwägen, ob ihr Szenen bildhaft (hauptsächlich Sehen, Hören) oder sinnlich beschreibt. Atmosphären von Szenen können in verschiedenen Stilen rübergebracht werden.
 

Zusammenfassung:

 
Bei reinen Romantexten gibt es mehr Spielraum, Andeutungen können gemacht werden, das Innenleben der Figur genutzt, um Lesende auf den Irrweg zu führen oder über etwas zu informieren, was später wichtig wird. Geheimnisse werden auf andere Art und Weise aufgebaut, eben mehr durch die Gedanken der Figuren. Innere Monologe und Gedankengänge sind ein wichtiges und beliebtes Stilmittel.
 
Beim Schreiben für Film und Fernsehen ist die Erzählweise auf das Außen beschränkt. Die 5 Sinne müssen visualisiert werden, ebenso wie Stimmungen oder eventuelle Gedankengänge von Charakteren. Innere Monologe fallen weg.
Doch nicht nur Visualität und Akustik sind wichtig. Baut Spannungsmomente auf und lasst eure Kapitel dort enden (Cliffhanger-Alarm), wenn ihr „serienreif“ schreiben möchtet, denn dieses Prinzip lebt davon, dass eine Folge so abschließt, dass die Zusehenden beim nächsten Mal unbedingt weiterschauen möchten.
 
PS:
Hier ist eine Leseprobe aus meinem Fantasy-Roman „Die Achte Sonne“. Eine lebensbedrohliche Sonne erschwert die Heldenreise zweier gegensätzlicher Helden, die von einer gefährlichen Roboterfrau bedroht werden.
 
PPS: Habt ihr schon einmal von einer Verfilmung geträumt oder schreibt ihr lieber speziell für Bücherliebende? Schreib gerne etwas dazu ins Kommentarfeld.